Das bewegte Klassenzimmer
Lernen im "Bewegten Klassenzimmer"
Kinder von heute brauchen einen vollkommen neuen Erziehungsansatz. Es genügt nicht mehr, lediglich Wissen vermitteln zu wollen.
Von Anfang an war das Anliegen der Waldorfpädagogik, das Kind auf jeder Entwicklungsstufe neu abzuholen und sein Interesse anzusprechen. Da die traditionellen Kräfte in der Bevölkerung und damit auch in der Erziehung immer mehr abnehmen, ist bei heutigen Kindern die Individualität ausgeprägter als früher. Gleichzeitig aber verarmen Bewegungs- und Sinnesanregung durch Medienangebote und das Verschwinden handwerklicher Berufe und Betriebe. Deshalb müssen Kinder an ihre Bewegungs- und Sinnesfreude quasi "erinnert" werden, wozu Klassenzimmer und Unterrichtsmethode in den ersten zwei bis drei Jahren drastisch verändert worden sind.
Vor noch nicht 10 Jahren verbreitete sich in den Waldorfschulen die Idee des "Bewegten Klassenzimmers". Seine Ausstattung besteht insbesondere aus Bänken und Sitzkissen, sowie Mobiliar für viele Spielsachen, die die Sinne und die Grob-, vor allem aber auch die Feinmotorik üben lassen. Die Bänke können je nach Situation leicht im Kreis oder frontal oder auch an die Wand gestellt werden, um Platz für Bewegungsspiele zu haben. Die Bänke dienen zum Sitzen oder mit Sitzkissen davor als Tisch zum Schreiben, Malen etc. und umgedreht zum Balancieren, um den Gleichgewichtssinn zu üben. Auf Bänken oder Sitzkissen setzen sich die Kinder von selbst ergonomisch richtig, wenn man sie nicht zu lange sitzen lässt. Räumt man die Bänke auf die Seite, bietet der Boden Platz für die verschiedensten Spiele in Gruppen oder auch mal allein für sich; oder es lassen sich die verschiedensten Übungen im Rechnen oder Sprechen - in der Fremd- oder Muttersprache - mit rhythmischen Bewegungen aller Kinder verbinden. Der Sitzkreis dient der gegenseitigen Wahrnehmung vor allem beim Üben und sich Mitteilen, frontales Sitzen fördert die Aufmerksamkeit auf den Lehrer besonders, wenn es nur kurzzeitig geschieht.
Durch den häufigen Wechsel zwischen den Unterrichtsmethoden, einhergehend mit der raschen Neuordnung des Klassenzimmers, wird das Interesse der Kinder stets neu angesprochen. Außerdem werden sozialer Umgang und die verschiedenen Sinne - Tastsinn, Eigenbewegungssinn, Gleichgewichtssinn, um nur einige Grundsinne zu nennen - ständig geübt. Natürlich ist pädagogische Erfahrung und sorgfältiges Beobachten der Kinder nötig, um sie zwischen Über- und Unterforderung, bzw. unter Vermeidung von Dressurschule und Spielschule, jeden Tag neu in ein freudiges Tun zu führen, so dass Schule Spaß macht.
An diesen wenigen Beispielen mag deutlich werden, dass grundlegende Kompetenzen im Sinnesbereich und in der Kommunikation, also im Sozialen, in den ersten zwei bis drei Schuljahren heute in der Waldorfschulbewegung als gesunde Grundlage gesehen werden für das Erlernen der Kulturtechniken wie Schreiben, Lesen, Rechnen. Das heißt selbstverständlich nicht, dass sie vernachlässigt werden.
Aus all diesen Gründen wird in der FWS Biberach in den ersten zwei bis drei Jahren
im "Bewegten Klassenzimmer" unterrichtet.
© Freie Waldorfschule Biberach